Warum gilt Freitag, der 13., als Unglückstag? – Aberglaube hinterfragt

Schwarze Katze von links, unter einer aufgestellten Leiter hindurchgehen, und natürlich der Klassiker: Freitag, der 13. – das sind Unglücksbringer, vor denen sich schon unsere Großeltern fürchteten, denn diese gelten seit uralter Zeit als sogenannte negative Omen, die man möglichst meiden müsse. Doch warum ist das eigentlich so? Wer oder was hat einmal festgelegt, dass ein harmloses Schnurrtier, das zufällig einen dunklen Pelz hat, Pech und Verluste bringen soll, oder dass ein Freitag, der ja gewöhnlich das willkommene Wochenende einläutet und daher als günstiger Tag gilt, das Unglück förmlich anziehen soll? Ist das alles nur „Aberglaube“, wie wir in unserer heutigen aufgeklärten Zeit gern denken, wenn wir solche Vorstellungen lachend abtun als ein Relikt aus vorwissenschaftlicher Vergangenheit, oder steckt doch mehr dahinter, als wir gegenwärtig vermuten?

 

                                       

 

Gibt es vielleicht sogar einen verborgenen Sinn, der in diesen scheinbar so un-sinnigen Deutungsmodellen von Wirklichkeit, die im Glauben an schwarze Katzen, Unglückszahlen oder eben Freitag den 13. Zutage treten, lebt? Eine Geschichte dazu gibt es sicherlich, eine spannende Anekdote aus der kulturellen Vergangenheit, die geheimnisvoll in unseren modernen Alltag hineinragt – und die erzählt uns nun kenntnisreich unsere ExpertinSabine, die sich mit Magie und sogenanntem Aberglauben bestens auskennt…

 

Ein Gespräch mit unserer Beraterin Sabine

 

Die Beschäftigung mit denjenigen Dingen zwischen Himmel und Erde, von denen sich laut Shakespeares berühmtem Wort unsere Schulweisheit nichts träumen lässt, ist so alt wie die Menschheit selbst und hat unter anderem das hervorgebracht, was wir heute als Aberglauben bezeichnen: die Vorstellung, bestimmte Dinge, Zahlen oder Figuren könnten Glück oder Unglück bringen. Wir sprechen mit Einer, die sich auf den Weg gemacht hat, die alten Mysterien zu lüften: Sabine. Die sympathische Beraterin hat Kulturwissenschaften studiert und eine Zeitlang in einem Museum für Kulturgeschichte und in einem kleinen Verlag als Lektorin gearbeitet. Zur Esoterik und Spiritualität kam die studierte Fachfrau, wie sie sagte, „eher nebenbei“, denn ihr Interesse, in alten Archiven zu stöbern, brachte ihr Kenntnisse, die ihren Alltag plötzlich um eine Dimension zu bereichern, ja: zu verzaubern schienen. Seitdem forscht sie nicht nur in ihrer Freizeit über das Okkulte in der Tradition und berät heute auch Anrufer bei der esoterischen Lebensberatung per Telefon und lässt sie an ihrem geheimen Wissen über die verborgenen Kräfte, deren Geschichte und Magie teilhaben. Wir fragen Sabine heute: „Warum ist Freitag, der 13. ein Unglückstag?“

 

                                        

 

„Freitag, der 13., war nicht immer ein Unglückstag! Sie sagen das ganz richtig: es ist „heute“ ein Unglückstag, das heißt, wir haben heute die Bedeutung dieses alten Datums genommen und umgedeutet, als eine Neuinterpretation, wie das sehr häufig geschieht, wenn eine Kultur sich verändert und die neue Generation die Vorstellungen der Vorfahren nicht mehr verstehen kann. Unsere heidnischen Vorfahren feierten den Freitag nämlich allgemein als einen Glückstag.

 

Freitag war der Tag der Göttin Freya, die in der „Edda“, dem skandinavischen Schöpfungsmythos, als Herrin über die Liebe und Schönheit, aber auch als Herrscherin über das Heer der Walküren beschrieben wird. Sie kennen doch den Komponisten Wagner, den berühmten „Ritt der Walküren“, diese wuchtige Musik? Dem Heer der Walküren, der untoten Reiterinnen, stand Freya vor, denn sie herrschte über Lebende und Tote und war die Königin in beiden Reichen. Keine so behagliche Vorstellung, nicht wahr, wenn man bedenkt, dass Freya eigentlich eine Liebesgöttin war. Doch die Verbindung von Liebe und Krieg und die Doppelzuständigkeit von Göttinnen für beide Bereiche war in der Antike gar nicht so selten; wir finden sie auch in der persischen Astarte, die ebenfalls Liebende zusammenführt, aber auch Kriege anzettelt. Vielleicht schwingt hier ein klein wenig von der Lebensweisheit bei, dass Liebe und Hass oft tatsächlich sehr nah beieinanderliegen, so dass ein und derselbe Gott für diese beiden Bereiche zuständig sein kann – doch das führt uns in die menschliche Psychologie und nicht mehr in die Esoterik an sich…“

 

                                                   

 

Der Freitag ist also traditionell „Freyas“ Tag – ein wenig davon erleben wir ja auch in der englischen Benennung „friday“, denn auch in England galten bis ins Mittelalter die Vorstellungen der eddischen Götterwelt, der Freya als Liebes- und Kriegsgöttin bekannt war. Der Tag der Liebesgöttin wurde in früheren Kulturen gefeiert als ein durchaus glücklicher Termin, als Übergang in eine sinnliche Zeitphase, als ein Tag, an dem Liebe und Partnerschaft im Mittelpunkt stand. Doch warum hat sich die überlieferte Bedeutung plötzlich so dramatisch verändert, so dass heute jeder Freitag, den 13., fürchtet?

 

„Sie deuten es ja schon an: in der Zeit, als noch die Götter der Edda gefeiert wurden, galt der Tag Freyas als Glückstag. Doch die eddischen Götter wurden ja in der Kulturgeschichte Europas später abgelöst, durch die Christianisierung in Mitteleuropa und auch in Skandinavien und England. Schließlich hatten die Menschen keine Vorstellung mehr, was ihre Vorfahren damals am Freitag eigentlich gefeiert haben, denn die Göttin Freya war laut offiziellem Bekenntnis nicht mehr existent, und es gab im Christentum bekanntlich überhaupt keine Göttinnen, sondern nur den einen, dreifaltigen Gott. Also haben die Menschen nach der Christianisierung beschlossen, diesen ihnen nun unverständlichen Brauch, den Freitag zu feiern, radikal umzudeuten und den ehemaligen Glückstag zu einem Unglückstag zu erklären. Dabei spielte es auch eine Rolle, dass die Bibel aussagt, Jesus Christus sei angeblich an einem Freitag gekreuzigt worden. Der Freitag wurde also zum Unglückstag par excellence.“

 

                               

 

Wenn es so ist, dass Freitag nach christlicher Auslegung ein Unglückstag sein soll, wie hat sich das geäußert?

 

“Nun, einfach im Brauchtum, das sich entfaltet hat. In katholischen Gegenden überall in Europa war ja das Brauchtum immer sehr wichtig, die Tradition und ja, auch der Aberglaube. Man sollte zum Beispiel an einem Freitag keine Wäsche waschen, kein Brot backen, kein neues Vieh anschaffen, denn all das stand unter einem schlechten Stern.

 

Auch Hochzeiten sollten niemals an einem Freitag gefeiert werden, denn das bedeutete Streit und Unglück in der Ehe. Auch die „Freitagskinder“, also Kinder, die an einem Freitag geboren wurden, sollten der Legende nach kein leichtes Schicksal haben – das und vieles andere war ein verbreiteter volkstümlicher Aberglaube, der sich um den Freitag und dessen vermeintliche Unglücksmacht rankte. In protestantischen Gegenden galt der Aberglaube nichts, denn hier urteilte man mit Luther „sola fide, sola scriptura“ – das heißt, nur der Glaube und nur die Heilige Schrift allein solle Leitlinie für die Gläubigen sein. Doch da in der Bibel eben, wie erwähnt, steht, dass die Kreuzigung an einem Freitag stattfand, waren auch die braven Protestanten überzeugt, dass dies ein besonderer Unglückstag sei. Und auch hier wurde dann an einem Freitag nichts Besonderes gemacht, vor allem keine Geschäfte oder Verträge abgeschlossen, denn der Todestag Christi galt als ein Trauertag, den man nicht durch weltliche Geschäfte „profanieren“ wollte.“

 

Wenn der Freitag nun in christlichen Gegenden allgemein zum Unglückstag wurde, weshalb hat der Freitag, der 13., dann nochmals eine andere, geradezu gesteigerte Bedeutung?

 

„Hier kommen zwei Deutungslinien zusammen: der Kult um den Freitag, der zuerst heidnisch war und dann von den Christen verpönt und umgedeutet wurde, und die Zahlenmagie. Die Zahl Dreizehn bedeutete die Unordnung, das störende Element, den „Fehler im System“.

 

Das hatte zur Ursache, dass die Zahl Zwölf als die vollkommene Zahl galt, weil sie aus Eins und Zwei gebildet wird, was die vollkommene Harmonie von Männlichem (Eins) und Weiblichem (Zwei) bedeutet; die Dreizehn als nachfolgende Zahl war jedoch gleichsam die Störung der Vollkommenheit und daher eine Unglückszahl. Religiös gestützt wurde dieser Aberglaube dadurch, dass beim Letzten Abendmahl dreizehn Personen anwesend waren, inklusive Judas Ischariot, der Jesus Christus verraten hat, und christliche Deuter legten das nun so aus, dass die Zahl Dreizehn gleichsam den Verräter, den Verbrecher oder gar den Teufel selbst symbolisiert. Deshalb war die Kombination von Freitag und der Zahl Dreizehn so gefürchtet – es war ein Termin, der den „Fehler im System“ verkörperte. Daher kommen übrigens auch unsere modernen Vorstellungen, die auch in Hollywood-Filmen verkörpert werden, dass an einem Freitag, den 13., alles schiefgehen muss – technische Geräte versagen, Kommunikationsmedien fangen plötzlich an zu „spinnen“, Scheiben zerbrechen, Streit entsteht wegen nichts. Das alles führt ursprünglich zurück auf den alten Aberglauben, dass die Zahl Dreizehn, oder der dreizehnte Gast beim Abendmahl, für Verrat und Zerstörung zuständig war.“

 

Wir hätten Sabine noch lange dabei zuhören können, wie sie die verschlossene Kiste der Kulturgeschichte Europas öffnet und unterhaltsam mit uns plaudert über die Herkunft des Aberglaubens. Doch wir haben noch viel zu tun – und heute ist ein Freitag, der 13., an dem wir es auf nichts ankommen lassen…

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